Festveranstaltung in Kassel

100 Jahre Internationaler Frauentag im Bezirk Frankfurt

Am 19. März 1911 fand der erste Internationale Frauentag statt. Auch wenn der Tag inzwischen auf den 8. März verschoben wurde, so ist doch der 19. März 2011 der 100. Jahrestag. Und das galt es zu feiern!

Zu diesem Anlass gab es im Bezirk Frankfurt die erste bezirksweite Veranstaltung zum Frauentag. Und sie wurde geich zu einem vollen Erfolg für den Bezirksfrauenausschuss und die beteiligten Kolleginnen!

Insgesamt nahmen über 80 Frauen an der eineinhalbtägigen Veranstaltung teil. Darunter waren 15 Teilnerhmerinnen aus dem Ortsfrauenausschuss Nordhessen, der Rest kam aus den Ortsfrauenausschüssen des Bezirks. Es "durften" auch vier Männer, darunter Bezirksleiter Armin Schild,teilnehmen.

Eine Abendveranstaltung am 18. März mit toller Live-Band "Three Sides Of A Coin" eröffnete die Jubiläums-Feierlichkeiten. Der 19. März begann mit einer frauenhistorischen Stadtführung und einem Besuch des Archivs der deutschen Frauenbewegung in Kassel und endete mit einem Festakt.

Die Wahl fiel auf Kassel, da dort die "Mutter des Grundgesetzes", Dr. jur. Elisabeth Selbert lebte und wirkte. Als Mitglied des parlamentarischen Rates setzte sie sich vehement für Gleichberechtigung ein. Vor allem ihrem unermüdlichem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" (Artikel 3 GG, Absatz 2) in das Grundgesetz aufgenommen wurde. Zudem befindet sich in Kassel die Stiftung "Archiv der deutschen Frauenbewegung".

"Die Casselerinnen - Streifzüge durch zwei Jahrhunderte Frauengeschichte" 

Frauen haben die Geschichte und das Bild der "Stadt im Schatten des Herkules" mitgeprägt und mitbestimmt. Das erfuhren die Teilnehmerinnen auf einer spannenden und abwechslungsreichen Stadtführung am Vormittag des 19. März 2011.

Auch wenn der Zweite Weltkrieg einige Orte, an denen Frauen lebten und wirkten, verschüttet hat, gibt es auch heute noch interessante Spuren weiblicher Einflüsse auf die Stadtgeschichte. Die vom Archiv der deutschen Frauenbewegung entwickelten Stadtrundfahrt unternahm einen Streifzug durch 200 Jahre Kasseler Frauengeschichte.

Histörchen, Ernstes und Heiteres, Höhenflüge und Tiefschläge, Zahlen und Fakten über das Treiben der Frauenbewegung, von Parlamentarierinnen, Arbeiterinnen, über die Entwicklung von Schule, Krankenpflege, Bildung und Alltag sowie biographische Darstellungen einzelner Casselerinnen und noch manches mehr wurden anschaulich vorgestellt.

Die Teilnehmrinnen wandelten auf den Spuren von Sophie Henschel (Fabrikantin),  Nora Platiel (Juristin), Dr. jur. Elisabeth Selbert (Juristin, "Mutter" des Artikel 3 Grundgesetz), Sara Nußbaum (Krankenschwester) und Auguste Förster (Lehrerin), Amalie Wündisch (soziale Betreuung von Kriegsopfer, Stadträtin), Ilse Berend-Gora (Schauspielerin) um nur einige zu nennen.

Besuch des Archivs der deutschen Frauenbewegung

In Mittelpunkt des informativen Besuchs standen die Aufgaben und Ziele des Archivs, wie beispielsweise die Sammlung von frauenhistorischen Dokumenten bis 1970, Gestaltung von Forschungsbeiträgen, "vermarktung" der bundesweiten Bedeutung des Archivs für Forschung und Wissenschaft, aber auch zunehmend für SchülerInnengruppen oder auch die Darstellung der gesellschaftspolitischen Funktionen für die Frauenbewegung in Deutschland.

Des Weiteren wurde ein kurzer Abriss über weitere Archive und ihre Arbeitsweise in Deutschland gegeben. Beeindruckend waren die Räumlichkeiten, die mit historischen Dokumenten gestaltet waren und der Lesesaal, wo in einigen Büchern Geschichte hautnah nachgelesen werden konnte. Susanne Selbert gab schon einen kurzen Vorgeschmack auf ihre Festrede, in dem sie intensiv auf die Entstehung des Artikel 3 Abs. 2, Grundgesetz "Frauen und Männer sind gleichberechtigt" einging und den Kampf ihrer Großmutter Dr. Elisabeth Selbert für diese Formulierung darstellte. Elisabeth Selbert bezeichnete die letztendliche Formulierung im Grundgesetz als Sternstunde ihres Lebens.

Redebeiträge zu "100 Jahre Frauentag"

Ihre Enkelin und stellvertretende Landrätin Susanne Selbert ging in ihrem Referat sehr anschaulich auf die Geschichte ihrer Großmutter ein. Aufbauend auf ihrer Einführung zur Entstehung des Artikel 3, Absatz 2 Grundgesetz  stellte sie dar, warum Dr. Elisabeth Selbert eine solche Motivation und Kraft entwickelt hat, um diese Formulierung zu erreichen.

Elisabeth Selbert erfuhr schon in der Schulzeit die erste Diskriminierung. Damals noch als Mädchen, da ihr die Erreichung des Realschulabschlusses zunächst verweigert wurde. Ihr Lebensweg führte Elisabeth Selber über Schulbildung, Studium, Refendariat, Anwaltszulassung während des Nationalsozialismus 1934, immer wieder zu der Frage der Gleichstellung / Ungleichbehandlung von Frauen. Die Brücke in die Wirklichkeit wurde über den Artikel 3 GG: "Frauen und Männer sind gleichberechtigt" geschlagen.

Anhand einer eindrucksvollen Darstellung der kaum vorhandenen Führungspositionen von Frauen in den DAX-Unternehmen ging Susanne Selbert auf die aktuelle Situation von Frauen ein und führte weitere Beispiele der Benachteiligung und fehlenden Gleichstellung von Frauen auf. 

Helga Schwitzer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, ging auf die gesellschaftliche Position von Frauen in Deutschland ein, beleuchtete die Situation in den Betrieben. Auch die aktuellen Beschlüsse der IG Metall zu Quoten in Aufsichtsräten und den Einflussmöglichkeiten im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung wurden von Kollegin Schwitzer anchaulich dargestellt. Sie stellte die aktuellen Anforderungen der gewerkschaftlichen Frauen- und Gleichstellungspolitik sowie des betriebs- und tarifpolitschen Handelns vor.

Podiumsdiskussion

An der Podiumsdiskussion nahmenneben Helga Schwitzer und Susanne Selbert auch die zuständige Bezirkssekretärin Silke Nötzel, Bezirksleiter Armin Schild und Kolleginnen aus den Betrieben teil. Sie diskutierten zunächst, was sie motiviert, sich immer wieder für Gleichberechtigung und die Verbesserung der Situation von Frauen eizusetzen.

Bezirsleiter Schild überlegte, wie die IG Metall "weiblicher" werden kann. Er sprach zunächst seinen Respekt den Kolleginnen innerhalb der IG Metall aus, äußerte aber auch die Bitte, dafür Sorge zu tragen, dass sich mehr und vor allen Dingen junge Frauen in der IG Metall engagieren. Hier sah er Potential, das noch erschlossen werden müsse.

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion wagten die Teilnehmerinnen und der Teilnehmer einen Ausblick auf die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Die wichtigsten Anliegen der Kolleginnen waren dabei: Arbeitszeit, Entgeltgleichheit, starke und durchsetzungfähige IG Metall, Vereinbarkeit von Beruf und Leben.

12 starke Frauen für ein ganzes Jahr

Am Ende der Veranstaltung bekam jede Teilnehmerin einen frauenhistorischen Kalender überreicht. Darin sind neben handgemalten Porträts von 12 wichtigen Frauen, einige sind den Teilnehmerinnen bereits während der Stadtführung begegnet. Jedes Kalenderblatt enthält Informationen zu Wirken und Leben der jeweils vorgestellten Frau. Das Kalenderblatt von Dr. Selbert ist als PDF angefügt.

Hier nochmals ein herzliches Dankeschön an den Ortsfrauenausschuss Nordhessen. Die Resonanz auf die Veranstaltung war überwältigend. Alle Teilnehmerinnen und auch die vier Teilnehmer waren begeistert.

Bildergalerie

"100 Jahre Frauentag" in Kassel

8. März 2011

100 Jahre Frauentag

Bild zum Thema Frauentag

Vor 100 Jahren, am 19. März 1911, fand der erste Internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Die politische Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Weitere Forderungen folgten: Mutterschutz, 8-Stunden-Tag und die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. 

Heute, anlässlich des 100. Frauentags, fordern Frauen unter anderem: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, flexible Arbeitzeitmodelle, bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege, gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen, Eindämmung von prekärer Beschäftigung.

Frauen und Betriebsratsarbeit

Betriebsrätinnen-Konferenz

Frauen und Betriebsratsarbeit

Silke Nötzel, zuständige Bezirks-Sekretärin

Nach Abschluss der Betriebsratswahlen kann für die Frauen im Bezirk Frankfurt eine positive Bilanz gezogen werden.

Bei einem Beschäftigten-Anteil von 17,6 Prozent sind 22 Prozent der Frauen vertreten.

Am 22. Juni diskutierten 37 neu gewählte Betriebsrätinnen über zukünftge Arbeitsschwerpunkte und Themen.

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